Dienstag, Juni 23rd, 2009 | Autor: admin

Die Akquisition des niederländischen Energieversorgers Essent durch RWE steht offenbar vor dem Abschluss. Die EU-Wettbewerbskommission wird nach Informationen des “Handelsblatts” heute ihre Genehmigung für den Deal unter bestimmten Auflagen erteilen.
Seit Monaten bemüht sich die deutsche Nummer zwei des Energiemarktes um den niederländischen Marktführer. Der über 9 Mrd. Euro schwere Deal musste nach der durch diverse Kompromisse erkämpften Zustimmung der an Essent beteiligten Kommunen und Gesellschafter noch von der Europäischen Union genehmigt werden. Diese sah jedoch vor allem in der Beteiligung von Essent am Bremer Regionalversorger swb, den ehemaligen Bremer Stadtwerken, eine zu große Gefährdung des Wettbewerbs in Deutschland. RWE hat daher der Abstoßung des Bremer Unternehmens zugesagt und Essent hat bereits mit der Verkaufsabwicklung der swb AG – Anteile begonnen, um die Übernahme nicht zu gefährden. Aufgrund dieser Kooperation und der Ausräumung der Zweifel für den deutschen Markt wird EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes nun aller Voraussicht nach ihre Zustimmung für das Geschäft verlauten lassen. Einige kleinere Auflagen werden wohl noch hinzukommen, die aber keine ernsthafte Hürde mehr darstellen dürften.

Benelux-Expansion

Essent besitzt in den Niederlanden mit 2,2 Mio. Strom- und 1,8 Mio. Gaskunden einen Marktanteil von 30 Prozent. Auch im Bereich der Stromerzeugung ist der Konzern mit Kraftwerkskapazitäten von 5.200 Megawatt die Nummer eins. RWE versorgt dort bislang 340.000 Privathaushalte und 50.000 Unternehmen mit Strom und Gas und wird durch die Übernahme seinen Kundenstamm nun also deutlich aufstocken können. Die Strom- und Gasnetze sowie das Entsorgungsgeschäft von Essent werden im Übrigen nicht Teil des Deals sein.
Essent ist unterdessen nicht der einzige niederländische Versorger, der von ausländischen Riesen zu großen Teilen übernommen wird. Auch Nuon wird dieses Schicksal erfahren und vom schwedischen Staatskonzern Vattenfall geschluckt. Das Deutschland-Geschäft bleibt hierbei zwar – wie bei Essent – zwangsweise größtenteils unberührt. Trotzdem übernehmen die beiden Konzerne damit weite Teile der Energieversorgung der Benelux-Staaten, was dem Wettbewerb dort sicherlich nicht unbedingt zu Gute kommen wird. Die Expansion sollte von der EU-Kommission weiterhin in einem angemessenen Rahmen gehalten werden, um die Macht und den Einfluss der Branchenriesen nicht zu groß werden zu lassen.

Kategorie: Allgemein
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