Vattenfall hat sich auf Druck der EU-Wettbewerbsaufsicht bereit erklärt, die Deutschland-Sparte von Nuon nicht wie geplant zu übernehmen. Damit wird eine weitere Schwächung des Wettbewerbs auf dem Energiesektor zumindest hierzulande verhindert.
Im Februar dieses Jahres trat Vattenfall mit den Akquisitionsplänen für den niederländischen Energiekonzern Nuon an die Öffentlichkeit. Ursprünglich plante der schwedische Konzern, das gesamte Geschäft von Nuon in dessen Heimatland sowie Belgien und Deutschland für rund 10,3 Milliarden Euro zu schlucken. Da EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes dadurch jedoch speziell in Deutschland, wo Nuon ein wichtiger Konkurrent in den beiden Hauptabsatzgebieten Hamburg und Berlin ist, eine Schwächung des Wettbewerbs befürchtet, legte sie vorerst ihr Veto ein. Vattenfall entschloss sich daraufhin zu dem Zugeständnis, das Deutschland-Geschäft von Nuon nach der Übernahme umgehend weitezuverkaufen. Ob sich die EU von diesem Kompromiss überzeugen lässt, wird sich am 22. Juni zeigen – dann endet das Prüfungsverfahren der Kartellbehörde und das Ergebnis wird von Kroes offiziell verkündet.
Begrenzter Verlust für Vattenfall
Für Deutschland stellt die Intervention eine wichtige Stärkung des Wettbewerbs auf dem Strom- und Gassektor dar. Viele Vattenfall-Kunden waren in der Vergangenheit zu Nuon gewechselt und hatten den Niederländern so ermöglicht, zu einem bedeutenden Widersacher des Energierisen aufzusteigen. Die Nuon-Kunden können durch den Verzicht nun also auch weiterhin “lekker Strom” und “wakker Gas” beziehen.
Trotzdem ist die Dimension des Verzichtes auf dieses Geschäft für Vattenfall ein zahlenmäßig vergleichsweise kleiner Verlust. Denn der Großteil der Aktivitäten von Nuon spielt sich in den Benelux-Ländern ab: Von den rund drei Millionen Kunden sind mit 270.000 Strom- und 30.000 Gaskunden lediglich zehn Prozent in Deutschland angesiedelt und entsprechend arbeiten nur 400 der 10.000 Nuon-Angestellten innerhalb unserer Grenzen. Vattenfall könnte sich also – sollte die EU ihre Genehmigung erteilen – noch immer etwa 90 Prozent des Nuon-Kundenstamms einverleiben. Nachdem RWE bereits den großen belgischen Versorger Essent, ebenfalls nach einigen Querelen und Kompromissen, geschluckt hat, würde die Vattenfall-Expansion eine erneute Schwächung des Wettbewerbes im europäischen Raum mit sich ziehen.
