Montag, Mai 18th, 2009 | Autor: admin

Die Atomenergie-Branche hat der Ökostrom-Lobby ein Kooperationsangebot unterbreitet. Gleichzeitig warnte sie eindringlich vor den Folgen der geplanten Reaktorabschaltungen.

Am vergangenen Dienstag äußerte der Präsident des Deutschen Atomforums, Walter Hohlefelder, im Rahmen der Jahrestagung Kerntechnik starke Bedenken, ob die nötige Stromversorgung und Grundlast ohne die Hilfe von Kernkraftwerken gesichert werden könnte. Es sei aufgrund der noch nicht ausgereiften Technik der erneuerbaren Energien eine “Stromlücke” zu erwarten, falls im Laufe der nächsten Legislaturperiode tatsächlich wie geplant sieben der 17 deutschen Atomreaktoren heruntergefahren werden sollten. Zehn Prozent der Stromversorgung und zwanzig Prozent des Grundlast würden wegfallen, was zur Folge hätte, dass “die Versorgungssicherheit massiv gefährdet, die Klimaschutzziele nicht erreicht und der Wirtschaftsstandort Deutschland ganz erheblich geschwächt” würden, so Hohlefelder in der “Welt”. In diesem Zusammenhang würden auch die Verbraucher durch höhere Strompreise zu leiden haben. Daher sprach er sich klar für eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke aus, um die Zeit bis zur effektiven Ökostromnutzung zu überbrücken.

Politisches Angebot

Um dieses Ziel zu erreichen, bot Hohlefelder den erneuerbaren Energien eine Zusammenarbeit an. Die Allianz solle grundlegend darin bestehen, dass die durch die Laufzeitverlängerung zusätzlich eingenommenen Gelder zum Teil in die Förderung regenerativer Energien und die generelle Erhöhung der Energieeffizienz fließen. Über dieses “politische Angebot” sei die Atomlobby bereit zu sprechen – aber erst unmittelbar nach der im September anstehenden Bundestagswahl. Deren Ergebnis wird für die Frage der zukünftigen Energieversorgung mit Sicherheit eine erhebliche Rolle spielen.

Gegenseite reagiert empört

Sowohl Vertreter der Ökostrom-Verbände als auch das Bundesumweltministerium lehnten das Angebot Hohlefelders mit deutlichen Worten ab. “Wir brauchen keine falschen Freunde”, schimpfte der Vorsitzende des Budesverbandes Erneuerbare Energien, Dietmar Schütz, in der “Süddeutschen Zeitung”. Darüber hinaus zweifelten mehrere Stellen die düstere Prognose der Atomverbände bezüglich der Stromversorgung an. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel gab zu Protokoll, Strom-Engpässe gehörten zu den “ältesten Propagandamärchen der Atomlobby”. Auch der Deutsche Energieverband Dena sieht keinen direkten Grund zur Laufzeitverlängerung, auch wenn neue Kraftwerke generell benötigt würden.

Warten auf die Wahl

Hohlefelder riss in seiner Rede aber trotz allem ein durchaus problematisches Feld an: Die durchgängige und gleichmäßige Stromproduktion ist mit vielen witterungsabhängigen Ökostromanlagen noch nicht machbar. Daher ist die für Höchstspannungsleitungen erforderliche Grundlast nicht unbedingt gewährleistet, wenn der Anteil der Erneuerbaren durch den Atomausstieg kurzfristig schnell steigen sollte. Bis es funktionsfähige Hybridkraftwerke und effizientere Techniken in ausreichender Menge gibt, sind Übergangslösungen durchaus notwendig. Wie diese konkret aussehen, wird nun wohl zu großen Stücken von der nächsten Bundesregierung abhängen.

Kategorie: Allgemein
You can leave a response, or trackback from your own site.
Leave a Reply